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Qualifizierung in der Immobilienbranche zwischen Schein und Sein: Welche Aus- und Weiterbildung ist die richtige?

Die Diskussionen und Gesetzesentwürfe rund um den Sachkundenachweis für Immobilienmakler und Immobilienverwalter sind ins Leere gelaufen. Daraus geworden ist eine Weiterbildungspflicht.

Unterm Strich steht weiterhin der Fakt, dass in Deutschland jeder mit einem entsprechenden Gewerbeschein und ohne einschlägige Ausbildung in der Immobilienbranche tätig werden kann.

Ob das dem Ruf des Berufsstandes hilft, ist die Frage!

Unabhängig von den politischen Entscheidungen über Sachkundenachweis und Weiterbildungspflicht stellt sich für in der Branche tätige Menschen und solche, die dort tätig werden wollen, die Frage nach der richtigen Ausbildung und Weiterbildung.

Welche Aus- oder Wieterbildung ist die richtige?

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Welche Aus- und Weiterbildung ist die richtige?

Wie kann ich mich für die Immobilienbranche bestmöglich ausbilden, um meinen Beruf kompetent auszuführen, meine Kunden mit Expertise zu überzeugen und mich von der Konkurrenz abzuheben?

Die Frage ist berechtigt und wird nicht selten von Kollegen aufgeworfen.

Wenn du dich intensiver mit der Frage beschäftigen möchtest, findest du detaillierte Informationen in meinem Artikel „Aus- und Weiterbildung in der Immobilienbranche (2019)“. Hier gehe ich auf die verschiedenen Möglichkeiten der Qualifizierung mit unterschiedlichen Voraussetzungen ein und gebe konkrete Empfehlungen und Hinweise für bestimmte Studiengänge und Weiterbildungen.

Versuchen wir uns der Frage aber zunächst über die vier grundlegenden Qualifizierungsformen zu nähern.

1. Die Berufsausbildung:

Eine IHK Ausbildung ist in Deutschland eine höchst anerkannte und fachliche Grundausbildung für verschiedene Berufsstände.

Im Bereich Immobilien nennt sich die richtige Berufsausbildung „Immobilienkaufmann/-frau“. Sie dauert 3 Jahre und teilt sich in praktische und schulische Phasen, die abwechselnd im ausbildenden Unternehmen und in der Berufsschule stattfinden.

Hier lernt der Auszubildende die Grundlagen des Immobiliengeschäfts sowie die Klassiker der kaufmännischen Berufe wie Buchhaltung, Unternehmensprozesse etc.

Eine Berufsausbildung wird in Deutschland vergütet. Ein Azubi verdient während der Ausbildung in Stufen je nach Ausbildungsjahr zwischen ca. 800 und 1.200 €/mtl.

Die Ausbildung zum/r Immobilienkaufmann/-frau beginnt einmal im Jahr im August/September. Die Bewerbungsphase startet immer ca. ein Jahr im Voraus. Auf Stellenbörsen wie Azubiyo oder auf der Homepage der lokalen Industrie- und Handelskammer findest du die entsprechenden Ausschreibungen für angebotene Ausbildungsplätze.

2. Duale Studiengänge:

Duale Studiengänge sind der aktuelle Hit und ein passables Mittel praktische und akademische Ausbildung zu kombinieren. Dual Studierende umgehen den Praxisschock den viele Vollzeit Studierende nach ihrem Studienabschluss erleiden.

Wie kann man sich das vorstellen? Duale Studiengänge werden mit einer Berufsausbildung kombiniert. Das bedeutet du gehst tagsüber deiner Berufsausbildung nach und abends, am Wochenende oder im Blockunterricht deinem Bachelorstudium.

Mal ehrlich: Das klingt nicht nur anstrengend, das ist es auch. Nichts desto trotz sparst du dir eine Menge Zeit wenn du ohnehin weißt, dass du nochmal studieren möchtest, und das Beste ist: Das haben auch schon eine Menge Leute vor dir geschafft!

Ein duales Studium kannst du auf unterschiedliche Art und Weisen angehen. Entweder du bewirbst dich direkt bei einem Unternehmen und das duale Studium, oder bei der entsprechenden Uni, die dir dann hilft einen begleitenden Ausbildungsplatz zu finden.

Zwei anerkannte Beispiele hierfür sind die Steinbeis Hochschule Berlin mit dem dualen Bachelorstudium Immobilienwirtschaft/ Real Estate oder die EBZ Business School mit dem ausbildungsbegleitenden Bachelor of Arts in Real Estate. Natürlich kannst du ebenfalls an Instituten wie der FOM ausbildungsbegleitend Betriebswirtschaft studieren. Auch das kann eine sinnvolle Ergänzung zur Ausbildung zum/r Immobilienkaufmann/-frau sein.

Unterm Strich steht dieses Modell ist anstrengend, aber sehr ergiebig.

3. Vollzeit Studium:

Auch im Vollzeit Studium kannst du dich in dem Thema Immobilienwirtschaft akademisch bilden. Bei der Vielzahl der Anbieter gilt es hier darauf zu achten, welche Angebote staatlich anerkannt bzw. akkreditiert sind, denn viele sind es nicht und qualifizieren dich damit nicht für einen Aufbaustudiengang wie den Master bzw. werden auch von vielen Arbeitgebern nicht als vollwertiges Studium anerkannt.

Da ein Bachelorstudium in der Regel generalistisch angelegt ist, gibt es nicht viele akkreditierte Angebote im Bereich Immobilienwirtschaft. Hier besteht immer die Möglichkeit klassisch BWL zu studieren und sich dann im Master auf Immobilien zu spezialisieren. Einige wenige anerkannte Bachelor Studiengänge im Bereich Immobilienwirtschaft findest du beispielsweise an der EBS in Oestrich Winkel, an der EBZ Business School in Bochum, oder auch online an der iubh.

Akkreditierte Masterstudiengänge bieten zum Beispiel die EBS (Oestrich Winkel), die ISM (München und Hamburg) und die FH Münster an. Wenn du darüber nachdenkst einen Master berufsbegleitend anzugehen kommen ebenfalls die EBS, aber auch die Steinbeis Hochschule in Betracht.

4. Weiterbildungen:

Wer den Quereinstieg in die Branche sucht, oder sich in bestimmten Bereichen weiterbilden möchte, muss sich im Dschungel der Angebote erstmal zu Recht finden. Es gibt zahlreiche Angebote die sich je nach Zugangsvoraussetzung für unterschiedliche Bereiche eignen.

Wer sich für die Immobilienbewertung interessiert, sollte sich unbedingt einmal die Angebote der DIA Freiburg oder die HypZert Qualifizierungen ansehen.

Wer sich ein breites manageriales Wissen aneignen möchte ist bei der EBS oder IREBS mit dem Immobilienökonom an richtiger Stelle.

Für Quereinsteiger ohne fachlichen Hintergrund eignen sich Angebote wie den „Fernlehrgang zum/r Immobilienkaufmann/-frau (IHK)“ der DIA oder die Aufstiegsfortbildung zum „geprüften Immobilienfachwirt (IHK)“.

Achte auch hier immer, ob die Angebote akkreditiert oder zum Beispiel durch die IHK anerkannt sind.

 

Grundsätzlich gilt im Bereich Aus- und Weiterbildung: Werde dir zunächst klar darüber was dich interessiert. Entscheide dann was dir fehlt. Geht es um eine Basisausbildung oder um eine Spezialisierung. Finde im Anschluss daran die Angebote dazu und prüfe, welche am Besten in deine Lebenssituation passen. Denke immer daran dich darüber zu informieren in wie weit die Ausbildung in der Branche und im Bildungssystem anerkannt ist. Wenn du hinter beides einen Haken setzen kannst lohnt es sich!

 

Max Karänke

Über den Autor:

Max Karänke, Dipl. Sachverständiger (DIA) für Immobilienbewertung und Immobilienökonom (ebs), ist seit über 10 Jahren in der Immobilienbranche tätig und bloggt regelmäßig zu interessanten Immobilienthemen auf karaenke.com.

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