Interview mit dem Berliner Bauträger Alexander Korte

  • Von Gina Doormann
  • Veröffentlicht 30. Mai 2016
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Herr Korte bitte stellen Sie sich und Ihr Unternehmen kurz vor. Wer sind Sie und was machen Sie?

Seit 2010 bin ich geschäftsführender Gesellschafter der AMLT Gruppe mit Sitz in Berlin, die ich zusammen mit Gianmaria Condulmari gegründet habe. Aber vielleicht ist der Weg interessanter, wie ich dazu gekommen bin. Nach Abitur und Bundesmarine habe ich in Mannheim VWL studiert und bin 1994 fasziniert von Berlin hierher gezogen. Christo hatte den Reichstag verhüllt und im Nachhinein wissen wir alle, wie extrem spannend die Zeit damals war. Ich habe 1997 als Immobilienmakler angefangen und Sonder-­Afa-Objekte an Einkommenssteueroptimierer aus der ganzen Republik verkauft.

Schnappschuss während des Interviews. (Foto: Alexander Korte)

Schnappschuss während des Interviews. (Foto: Alexander Korte)

Ich habe mich aber auch privat schon immer für Immobilien und vor allem für Projektentwicklung interessiert. Ich glaube, ich habe mir in dieser Zeit fast jedes Haus in Mitte und Prenzlauer Berg angeschaut. Und auch schon mal eine Ruine in der Ackerstrasse für 700 DM/qm abgelehnt, (lacht), „Zu viel Schuttentsorgung“ war meine Begründung gegenüber dem verdutzen Makler.

In der Zeit habe ich viele Immobilienmenschen kennengelernt, die später in der Ereigniskette irgendwann für mich wichtig wurden. Ich bin sehr neugierig und in Kombination mit meiner penetranten Fragetechnik habe ich aus den Leuten schnell viel Know-­how rausgeholt. Gerade Ältere haben sich gefreut, wenn sie mir Ihre Geschichten erzählen konnten. Irgendwann hab ich dann über einen gemeinsamen privaten Kontakt Michael Schick kennengelernt, der mich schwer beeindruckte (tut er noch heute) und dachte mir „Zinshausmakler“ will ich auch sein. Diese Entscheidung war ein großes Glück, da das Thema Vermittlung von Sonder­-Afa-Immobilien ja 1999 mit Minister Lafontaine ein abruptes Ende fand. Die Zinshausvermittlung war damals auch näher dran am Thema Projektentwicklung. Durch meine Neugierde bin ich leider immer an Kunden geraten, die schwierige Konstellationen hatten. Eine Zeit lang habe ich auch Rückübertragungen und Erbensuche für vornehmlich jüdische Alteigentümer gemacht. Mein gutes Englisch und meine Kommunikationsfähigkeit haben mir hierbei sehr geholfen. Die Kunden waren teilweise 80 und 90 Jahre alt und konnten gar nicht mehr nach Deutschland kommen. Die hatten alle Zeit der Welt, und gleichzeitig lief die Uhr ab, es hat ihnen und mir gut getan, Ihre Lebensgeschichte zu hören. Damals war ich quasi die ganze Nacht wach, um mit Amerika zu telefonieren. Damit ich die Leute besser verstand, habe ich immer über einen regulären Festnetzanschluss telefoniert, da die Qualität von Skype damals einfach erbärmlich war und meine Kunden ohnehin nur ein normales Telefon kannten. Diese Zeit war anstrengend und aufreibend, da sich die Deals über Monate, wenn nicht Jahre hinzogen und auch schon mal Erben verstarben und wir es plötzlich mit vier weiteren auf dem Erdball verstreuten Menschen zu tun hatten. Das Schöne aber war, dass man Weltgeschichte und die persönlichen Lebensgeschichten von echten jüdischen Augenzeugen direkt und ungefiltert zu hören bekam. Das waren logischerweise oft heftige Kriegs-­ und Fluchtgeschichten, aber auch zerrüttete Familiensituationen. Aber ich empfinde das als ein großes Geschenk, all diese Informationen direkt von den Menschen erzählt bekommen zu haben. Wer kennt als Deutscher in meinem Alter (ich bin 1972 geboren) schon Naziopfer oder Juden? Die meisten meiner Kunden sind heute leider verstorben. Einer meine Lieblingskunden, Robert Geminder, lebt noch, wenn Sie Zeit und Lust haben googeln Sie ihn, seine Lebensgeschichte ist wirklich unglaublich. Erstaunlich war für mich immer wieder, dass mir diese Menschen Vollmachten für Millionen-Deals ausgestellt haben, ohne mich auch nur ein einziges Mal zu sehen. Das hat mir gezeigt, was für ein mächtiges Instrument die menschliche Empathie ist und das Zuhören auch über das Telefon funktioniert. Meine Neugierde hat mich immer in neue Nischenmärkte getrieben, auch weil mir leider schnell langweilig wird. In 2005 habe ich dann meine erste Website gebaut und mein Immobilienwissen in Englisch präsentiert, also keine Online­-Visitenkarte mit „ich bin der Tollste, plus schlechtem Foto“, sondern eine Seite mit sehr viel Nutzwert und relevanten Inhalten zum Thema Erwerb, Verkauf und Optimierung von Immobilieninvestments in Berlin bzw. Deutschland.

Es war die Zeit, als vor allem irische und israelische Investoren das damals preiswerte Berlin entdeckten. Da sie sich vorher informieren wollten, hat mir Google die Herren quasi frei Haus geliefert, fast alle haben mindestens einmal vor meinem Schreibtisch gesessen. Und das war wieder ein großes Glück, denn um 2004 hatte ich einen persönlichen Durchhänger und dachte, ich müsste doch noch mal ein bisschen studieren und schrieb mich für Diplom-Design an der Universität der Künste in Berlin ein. In dieser Zeit ging es mit meinen One­-Man­-Show-Umsätzen bergab, aber ich hatte eine neue Passion, Internet und „E­-Business“. 2004 habe ich dann meine heutige Frau und Geschäftspartnerin kennengelernt und schon ein Jahr später bekamen wir Nachwuchs. Obwohl ich mein ganzes Leben komplett auf Unternehmer gebürstet war, habe ich Mitte 2005, auch im Hinblick auf meine neue Funktion als Familienvater, einen Job als Online Marketing Manager bei einem Start-­up angenommen. Freunde, die das Start-­up gegründet hatten, wussten, dass ich Ahnung vom Online Marketing hatte und hatten mich ohne große Bewerbung angeheuert. Den Job habe ich dann 2005 auch tatsächlich sechs Monate gemacht und relativ schnell verstanden, dass ich nicht für das Angestelltendasein tauge. Damals habe ich allerdings wirklich viel über die Onlinebranche gelernt und vor allem wurde ich Excel-­Profi, das hilft mir noch heute. Neben „Zuhören können“ und „Englisch verhandlungssicher“ ist dies sicher eine der Basic­Skills, die ich von jedem Mitarbeiter erwarte und jedem Unternehmensgründer nur wärmstens empfehlen kann.

Im Sommer bevor ich den Job als Online Marketing Manager angenommen hatte, hatte mir mein Bruder zwei Webseiten gebaut und ich hatte sie mit englischen Inhalten gefüllt. Der Erfolg war geradezu umwerfend, ich hatte jeden Tag Anfragen und Anrufe. Tags habe ich als Angestellter gearbeitet und nachts mit meinen ausländischen Kunden telefoniert. Ich habe eigentlich nur die Nachfrage mit dem Angebot zusammengebracht und beraten, beraten, beraten. Meine wirklich umfangreichen und vertrauensvollen Kontakte machten es möglich. Da damals quasi kein Makler einen ordentlichen internationalen Internetauftritt besaß, hatte ich ein Alleinstellungsmerkmal und habe mich schnell als Makler für internationale, englischsprachige Käufer etabliert. Die Objekte kamen meist von Dritten in Form von Teilungsgeschäften. Meine Webseiten lieferten mir allerdings nicht nur Käufer, sondern auch Verkäufer. Später haben verschiedene Makler versucht, meine Strategie zu kopieren. Allerdings ist das nicht ganz einfach, da Google z. B. das Alter einer Domain extrem hoch bewertet. Die Kundenliste und die Website liefern bis heute konstant Leads von Käufern und Verkäufern aus dem Ausland. Man muss betonen, dass wir nie auch nur einen Pfennig für Werbung ausgegeben haben. Seit andere Makler Google AdWords als Traffic-Quelle entdeckt haben, sind wir allerdings auch nicht mehr der Platzhirsch. Es ist heute allerdings recht schwer, solche Werbung einzukaufen, das sollte man lieber spezialisierten SEM-Agenturen wie byteflare.de oder hurra.com überlassen. Unter 1500 Euro Monatsbudget sollte man allerdings gar nicht erst anfangen, denn der Immobiliensektor, vor allem der Berliner, ist sehr kompetitiv. Auch das Suchmaschinenoptimieren, also das Schreiben von Texten für Google ist Voodoo, da Google das Rezept für seine Algorithmen nicht preisgibt und, schlimmer noch, permanent ändert. Wenn ich mich persönlich nicht für diese Art der Abendgestaltung interessieren würde, wäre es relativ teuer, das extern einzukaufen.

Eines der Häuser in der Schönhauser Allee, das ich in den 1990er-Jahren leider nicht gekauft habe. (Foto: Alexander Korte)

Eines der Häuser in der Schönhauser Allee, das ich in den 1990er-Jahren leider nicht gekauft habe. (Foto: Alexander Korte)

Obwohl noch Angestellter, habe ich im Dezember 2005, also ein paar Monate nachdem ich meine Blogs online gestellt hatte, gleich zwei Grundstücke verkauft, das eine war Stadtgespräch unter uns Immobilienleuten und ich hörte immer wieder „Was – Du warst der Spinner?”. Die Geschichte war diese: Ein noch heute sehr aktiver spanischer Projektentwickler wollte auf Teufel komm raus Grundstücke in Mitte kaufen, aber ich hatte kaum Angebote. Ein Mauerstreifen-Grundstück in der Bernauer Straße, dessen Rückübertragung ich begleitet hatte, hat er quasi aus dem fahrenden Taxi gekauft. Wir standen keine fünf Minuten auf dem Grundstück, da sagte er “Ok, I take it, what else?”. Also in etwa „Ich nehme es, was hast Du noch?“. Ich habe ihm dann ein Grundstück vorgeschlagen, das in einer öffentlichen Auktion zum Verkauf angeboten wurde. Ich lief dabei Gefahr, keine Provision zu bekommen, da die Sache ja quasi öffentlich ausgeschrieben war. Aber meine Menschenkenntnis sagte mir, dem großen spanischen Kerl kannst Du vertrauen. Ich rechnete Ihm vor, dass er das Grundstück für 800.000 Euro in der Versteigerung kaufen sollte, und besorgte ihm einen Notar, der die Sache begleitete. Wir trafen uns am Tage der Versteigerung im Gerichtssaal. Da es sich um ein innerstädtisches Grundstück in Premiumlage handelte, war der Saal gerappelt voll mit Immojungs. Die meisten dachten, sie bekommen das Grundstück für einen „Appel und ein Ei“ und ab 500.000 Euro waren wir quasi die einzigen Bieter mit einem weiteren hartnäckigen Konkurrenten. Bei 1 Mio Euro fing das Publikum an zu klatschen und zu tuscheln. Der Hammer fiel erst bei 1,525 Mio. und wir waren mehr als happy. Alle dachten, wir sind komplett durchgeknallt, da das Objekt für die damalige Zeit extrem teuer war. Wir waren Stadtgespräch und ich genoss es, Teil der Käufer zu sein. Später brachte mir der spanische Projektentwickler so manchen Projektentwicklungstrick bei. Heute ist das Grundstück in der Weinmeisterstraße 10 mit einem sehr schönen Wohn-­ und Geschäftshaus bebaut und hat eine Rendite, die ihresgleichen sucht.

Mein Interesse für Projektentwicklung war damit so entfacht, dass ich, ohne eigentlich die nötigen Kapitalreserven zu haben, auf die Suche nach Projekten gegangen bin. In 2008 habe ich dann meinen heutigen Geschäftspartner Gianmaria Condulmari kennengelernt. Ich hatte über einen anderen Makler Zugang zu zwei schönen Zinshäusern in Berlin-­Neukölln. Nach der Besichtigung, ich war schon wieder auf der Rückfahrt, klingelte mich mein heutiger Geschäftspartner auf dem Handy an und sagte nur, „Alexander, I thought about it, I buy both.” Als glücklicher Zufall stellte sich später heraus, dass er auch Projektentwickler in Italien war. Als ich dann wenige Monate später mein erstes Sanierungsobjekt kaufen wollte, rief ich ihn als erstes an. Er sagte noch während der Besichtigung zu und wurde so mein Partner in der neuen Projektentwicklungsgesellschaft und ist es heute noch. Wir ergänzen uns perfekt und mittlerweile arbeitet auch meine Frau im Unternehmen mit.

Besonderheiten Ihres Unternehmens und Fokus

Kapitalstarkes, inhabergeführtes Familienunternehmen für Immobilien­-Projektentwicklungen. Wir sehen den Makler als unseren natürlichen Verbündeten bei der Jagd nach guten Grundstücken. Wir behandeln Handwerker ordentlich und zahlen pünktlich. Bei uns gibt es eigentlich immer Vorkenntnis oder Erstnachweis, und wir besprechen uns gerne mit Maklern am Telefon, sodass man Argumente austauschen kann. Bei mir gilt: „Treffe niemals eine Entscheidung über eine Immobilie, die Du nicht besichtigt hast“.

Aktuelle Projekte

  • 63 WE Neubau und Bürohaus­Konversion, Berlin, Potsdamer Straße 72, Tiergarten
  • 16 WE Neubau Berlin, Mühlenstraße 23, Pankow
  • 29 WE Neubau Leipzig, Alexander Straße 40, Zentrum­West
  • 11 WE Neubau Leipzig, Berggarten Straße 2, Gohlis­Süd
Ein Rendering unseres bisher größtes Projekts BV Potsdamer Straße 72 in Berlin Tiergarten. Hochwertige Fassadenelemente mit Holz, Glas und Kupferblech mit Grünspan. Megatrend Mikro­Wohnen auch gleich in die Tat umgesetzt, das Vorderhaus hat 25 Wohnungen mit ca. 45 m², das Penthouse mit Blick auf den Potsdamer Platz dafür aber 250 m². (Rendering Paolini & Storchi Architekten)

Ein Rendering unseres bisher größten Projekts BV Potsdamer Straße 72 in Berlin Tiergarten. Hochwertige Fassadenelemente mit Holz, Glas und Kupferblech mit Grünspan. Megatrend Mikro­-Wohnen auch gleich in die Tat umgesetzt, das Vorderhaus hat 25 Wohnungen mit ca. 45 m², das Penthouse mit Blick auf den Potsdamer Platz dafür aber 250 m². (Rendering Paolini & Storchi Architekten)

Wohin entwickelt sich der Markt ?

Leider wird alles teurer, angefangen beim Bauland, hier müssen dringend Eigentümer „bestraft“ werden, die nicht bauen, und über diese „Abgabe“ zum Bau oder Verkauf gezwungen werden.

Die EnEV und der Dämmungswahn, aber auch Schallschutzanforderungen, verteuern die Bauten unnötig. Die niedrigen Zinsen treiben die Investoren in Immobilien, gefühlt wollen alle Berlin, und zwar bitte Innenstadt, das hat Folgen für die Art von Immobilie, die gebaut wird, nämlich nicht unbedingt die die nötig ist, sondern die, die sich gut verkaufen lässt. Meine Einschätzung ist, dass es trotz „Bremsen“ wie Mietpreisbremse, Kappungsgrenzen, Mietspiegel, und jetzt Sozialbindung von 20-­50 % der Neubauwohnungen, sowie immer höher werdenden Grunderwerbssteuern in Berlin weiterhin Käufer geben wird, die immer höhere Preise zu zahlen bereit sein werden, zumindest in den Top-Lagen wie Mitte und Charlottenburg. Berlin ist zum Glück noch nicht New York, London oder Paris, auch noch nicht München oder Hamburg, aber die Reise geht dahin, und Berlin ist weiterhin überaus attraktiv für sehr viele Menschen und damit auch für Investoren und kapitalkräftige Fünft-Wohnungsbesitzer. In den Top-­Lagen wird es immer weiter hoch gehen, da es genügend internationale Käufer mit vollen Taschen und ganz anderem Preisbewusstsein gibt.

Als Absolvent der Berliner Universität der Künste liegt mir die Förderung von Künstlern sehr am Herzen. Deshalb finanzieren wir Zwischennutzungskonzepte für Kunst und Kultur. Hier zusammen mit unserer langjährigen Partnerin in diesem Bereich, der Galeristin und Dokumentarfilmerin Marianne Kapfer (Mitte) bei der Eröffnung der Mike Froidl Ausstellung 2014. (Foto: Holger Dölle)

Als Absolvent der Berliner Universität der Künste liegt mir die Förderung von Künstlern sehr am Herzen. Deshalb finanzieren wir Zwischennutzungskonzepte für Kunst und Kultur. Hier zusammen mit unserer langjährigen Partnerin in diesem Bereich, der Galeristin und Dokumentarfilmerin Marianne Kapfer (Mitte) bei der Eröffnung der Mike Froidl Ausstellung 2014. (Foto: Holger Dölle)

Welche interessanten Nischen wurden identifiziert?

Unsere „Nische” ist ein Ankaufsvolumen bis 5 Mio Euro, da wir sehr konservativ strukturiert sind und nicht alle Eier in einen Korb legen wollen. Ansonsten machen wir alles, womit man in der wohnwirtschaftlichen Projektentwicklung seriös und sicher Renditen für unsere privaten Kapitalgeber finden kann. Gewerbeimmobilien finde ich persönlich sehr interessant, aber wir halten uns (noch) von dieser Art Investment fern.

Objektakquise, wie machen Sie das?

Wir versuchen bei Maklern einen guten Eindruck zu hinterlassen, verhalten uns fair und kommunizieren viel per Telefon und E-Mail. Ich glaube, dass auch die Schnelligkeit mit der wir agieren, sehr gut im Markt ankommt. Erstnachweis gibt es bei uns innerhalb von ein paar Stunden. Innerhalb einer Woche haben wir besichtigt und treffen sehr schnelle Entscheidungen. Wenn wir kaufen, dann aus Eigenmitteln, die Finanzierung kommt später. Oft vermitteln wir auch Kunden an Makler die wir kennen, also einfach so ohne Provisionsteilung oder Zuführungsprovision. Ich will gute und langfristige Kontakte. Mit diesem Verhalten bin ich 2015 auch super in den Leipziger Markt eingestiegen, ich war selbst etwas überrascht, wie gut und schnell man in einem Markt ankommen kann, wenn man sich koscher verhält.

Welche Trends finden Sie zur Zeit besonders spannend?

Mikroapartments, denn die Endinvestoren-­Budgets wachsen nicht so schnell wie die Preise, und auch die Einkommen wachsen nicht so schnell wie die Mieten, also gibt es nur zwei Wege: schlechtere Locations (im Sinne von billigerem Bauland) oder kleinerer Wohnraum, oder eben beides in der Mischung. Beide Gruppen, also die Kapitalanleger und die Mieter, bleiben gerne in der Stadt, die Gründe sind einleuchtend und bekannt. Für Kapitalanleger eröffnet sich auch ein weiterer Pluspunkt. Bei Kaufpreisen von 60.000­-200.000 Euro (2016, in Berlin) kann man bei entsprechendem Budget mehrere Wohnungen kaufen und verteilt sein Risiko somit auf mehrere Mieter.

Einen tollen Trend finde ich auch die neue Bautätigkeit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, die jahrzehntelang das Wort „Bau“ in Ihrem Titel verdrängt hatten. Hier ein fertiggestelltes Objekt in Wedding am Mauerpark. (Foto: Alexander Korte)

Einen tollen Trend finde ich auch die neue Bautätigkeit der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften, die jahrzehntelang das Wort „Bau“ in Ihrem Titel verdrängt hatten. Hier ein fertiggestelltes Objekt in Wedding am Mauerpark. (Foto: Alexander Korte)

Thema: Architektur, worauf achten Sie besonders?

Langlebigkeit, und zeitloses Design, vor allem beim Interior, denn die Folgekosten sind oft nicht unerheblich, auch wenn sich kaum ein Kapitalanleger darum Gedanken macht. Ich bin Dämmungsgegner und finde gerade den Hebel, den man mit (billiger Styropor-­)Dämmung bei der Modernisierung, hat skandalös.

Netzwerk | Makler, Architekt, Statiker, RA , Vertrieb, Fachingenieure immer die gleichen. Also eingespieltes Team oder wechseln sie nach besonderen Anforderungen?

Es ist bei unserer Größe gefährlich, immer mit denselben zu arbeiten. Gibt es Stress, stehen alle Baustellen still, nicht nur eine. Es gibt aber Ausnahmen, unser Notar und der Vertrieb sind immer dieselben, die sind einfach zu gut. Mit unseren italienischen Architekten sind wir sehr gut befreundet, da haben wir nicht mal schriftliche Verträge, obwohl die Sprachbarriere gerade mit dem Bauamt sicher ein Grund sein sollte, wieder verstärkt über deutsche Büros nachzudenken. Im Übrigen ist mein Tipp, Netzwerke bei Branchenfremden auszubilden, das bringt viel schneller Erfolge – vor allem wenn man Makler ist.

Welche Empfehlung würden Sie Immobilieninteressierten mit geben, worauf sollen Sie achten?

Gegenfrage: Was ist ein Immobilieninteressierter? Ein Selbstnutzerkäufer, ein Kapitalanleger, jemand der sich überlegt, Makler werden zu wollen?

Selbstnutzern kann ich nur raten, denken Sie einfacher und werden Sie schneller, vor allem bei den aktuell schnell steigenden Preisen in deutschen Metropolen. Gerade der deutsche Selbstnutzer ist gewohnt, für die Ewigkeit zu kaufen, auch wenn die Statistik ganz klar diese Idee widerlegt und eine Nutzungsdauer von mehr als 15 Jahren eher selten ist. Mein bester Tipp ist, immer zuerst die Finanzierung zu regeln und erst dann einkaufen zu gehen. Zudem nicht nach der ersten Immobilie aufhören, sondern weitere, kleinere Immobilien erwerben, denn auch wenn man in der „inflationsgeschützten Sachwertimmobilie” wohnt: Die Wohngeldkosten steigen trotzdem. Zudem lieber früher (Lebensalter) anfangen zu investieren, und zwar nicht ins selbst genutzte Eigentum, sondern in die klassische Immobilienkapitalanlage 1-­2 ZKB in Ballungsräumen und diese vermieten. Der Deutsche wartet immer viel zu lange und fängt mit dem dicksten (sprich teuersten) Brocken, dem Eigenheim an, das ist aber leider grundfalsch! Aber das Thema ist ein ganzes Interview fürs nächste Mal. Die böseste Falle ist aber für Selbstnutzer, am Ende gar nicht zu kaufen, weil man die Eier legende Wollmilchsau nicht findet und dann sind plötzlich die Preise zu hoch, das passiert leider gerade vielen. Also Ansprüche runter, Luftschlösser sprengen, fragen, was muss die Immobilie mindestens können, und dann kaufen.

Kapitalanlegern rate ich zu finanzieren, es gibt immer noch diesen Glauben, man sollte alles mit Eigenmitteln zahlen, das finde ich beim Eigenheim ok. Aber bei der Kapitalanlage, wo die Kosten, also auch die Zinsen, die Steuern mindern, ist die Finanzierung ein strategischer Baustein, den man auf gar keinen Fall missen sollte. Auch hier ein ganzes Interview für sich, aber im Grunde beides eng damit verknüpft, dass wir in Deutschland in der Schule und Universität keinerlei wirtschaftliche Grundausbildung erhalten. Dieses Basis-­Investment-­Knowledge muss man in Deutschland selbst gestandenen Medizinern, Juristen und sogar Diplom-­Kaufleuten erklären.

Wie sehen Sie die Situation von übertriebenen Qualitätsvorstellungen der Erwerber?

Als Mieter wohnt man in Berlin oft in schlimmen Zuständen, wenn man dann in das Eigenheim zieht, muss plötzlich alles perfekt sein. Absurd! Getreu dem Motto „der Staat oder irgendeine Versicherung wird es richten“ wird diesmal das Wunschkonzert beim Bauträger abgeladen. Es ist, zusammen mit der Idee, dass sich der Bauträger ohnehin die Taschen vollstopft, unfassbar. Und scheinbar gibt es keine Hemmschwellen oder gar Gewissenbisse. Gerade habe ich auf dem Geburtstagsfest eines gemeinsamen Freundes ein Pärchen kennengelernt, das, obwohl ihm nach eigenem Bekunden alles gefiel, und es schon 1 1/2 Jahre in seiner Wohnung wohnt, unbedingt noch einen Superjoker von mir hören wollte, mit dem es seinem Bauträger die letzten 3,5 % vorenthalten könnte. Die Idee ist, dass keiner diese 3,5 % bezahlt und der Bauträger die letzte Rate ohnehin schon abgeschrieben hat. Auch wieder ein Problem des Allgemeinwissens über wirtschaftliche Zusammenhänge. Mir ist nicht bekannt, wie andere Bauträger mit dem Thema umgehen, aber bis jetzt habe ich von jedem, ich wiederhole von jedem, Kunden die restliche Rate erhalten. Allerdings höre ich von Enderwerbern im Freundeskreis immer wieder Schlimmes von anderen Bauträgern und deren Kommunikation. Bei uns gilt, dass der Chef die Übergabe an den Enderwerber wenn möglich selbst macht. Zudem kommunizieren wir sehr viel mit allen Erwerbern und halten sie bei der Mängelbeseitigung immer up to date. Aber trotzdem denke ich, dass wir noch viel, viel besser werden können – auch bei der Kommunikation.

Wenn Sie etwas an der MaBV ändern könnten, was wäre das?

Die Makler­- und Bauträger­-Verordnung ist ja ein Kind der SPD-­Regierungszeit und soll „Kapitalisten“ gängeln. Wie alles in Deutschland finden sich übertriebene Regelungen zum Verbraucherschutz – anstatt den Leuten das Denken beizubringen, will man sie beschützen. Die MaBV ist teilweise sehr unflexibel und verteuert Immobilien z. B. durch absurd hohe Kosten von Fertigstellungsbürgschaften oder Bauträgerkrediten, die ja hoch komplizierte und komplexe, oft aber unnötige Gebilde sind.

Dass wir die einzige Berufsgruppe/Industrie sind, bei der die Mehrwertsteuer nicht als Kosten an den Endverbraucher weitergegeben werden darf und somit harte Kosten darstellt, finde ich auch im Hinblick auf eine diesbezüglich sehr gute Regelung in Italien unverständlich.

Makler an sich haben in Deutschland einen sehr geringen Standard, hier wünsche ich mir Besserung. Die Verdiensterwartungen sind vollkommen überzogen, und die Leute glauben, dass man mit „Wasser an Durstige verteilen“ 150.000 Euro verdienen sollte, weil die Arbeit so hart ist. Total absurd. Erklären Sie das mal der Kindergärtnerin oder Ihrem Großvater. Vor allem der Vertrieb hat vollkommen überzogene Vorstellungen.

Ich habe mehrere Jahre in London und New York verbracht, das Maklerwesen ist dort viel professioneller und das Thema Teilungsgeschäft institutionalisiert. Aber das Bestellerprinzip und neue Start-­ups bereinigen den Markt und zwingen zur Konzentration, dennoch werden gute Makler nie aussterben, ebenso wenig wie gute Präsentatoren und Verkäufer, egal wie die MaBV aussehen wird.

Kurz vor Übergabe, hier die Belleetage in der Elbstraße in Neukölln, meine erste Altbausanierung. (Foto: Stefan Korte)

Kurz vor Übergabe, hier die Belleetage in der Elbstraße in Neukölln, meine erste Altbausanierung. (Foto: Stefan Korte)

Für was begeistern Sie sich privat?

Mit mir kann man stundenlang über alte Autos, Fahrräder und Schiffsdesign quatschen, allerdings lässt mir meine Passion Immobilien und Unternehmertum wenig Zeit, diese Hobbies aktiv zu betreiben. Neben dem Berliner Dom und dem Shellhaus sind deshalb auch das Meilenwerk (Oldtimer) und die Werft der Bootsmanufaktur von Nils Clausen (alte Schiffe) meine Lieblingsimmobilien in Berlin, bzw. Woltersdorf.

Herr Korte, wir danken Ihnen für dieses Interview!

Über Alexander Korte

Alexander Korte ist Jahrgang 1972 und war zunächst als Immobilienmakler, später als Berater für Family-Offices tätig und gründete 2010 die AMLT Gruppe, die als Projektentwickler und Bauträger in Berlin und Leipzig aktiv ist. Er ist mit Swetlana Korte verheiratet, die den Vertrieb der Gruppe aufgebaut hat und als Prokuristin der Geschäftsleitung der Firmengruppe angehört. Das Ehepaar hat zwei Kinder im schulpflichtigem Alter und lebt in Berlin.

Seine Immobilienwissen teilt er auf seinen englischsprachigen Blogs www.reberlin.com und www.berlininvestment.com.

Kommentare

Von Alexander Korte Veröffentlicht 31. Mai 2016 8:09 Reply

Ich bin selbst begeistert, Liebes Maklerscout Team. Danke für die Interviewanfrage.

Von R. Hillmann Veröffentlicht 31. Mai 2016 10:53 Reply

Ist gut geworden. Schöner Einblick.

Von M. Zeller Veröffentlicht 18. November 2016 6:11 Reply

Interessante Interview von Herrn Korte, sehr interessante und spannende Einblicke. Insbesondere die Empfehlungen für Immobilieninteressierte sind Gold wert!

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